Aufgepasst beim Klonen!
Letztens sprach ich mit einer Gründerin, die eine Mitgründerin suchte. Oder eine Kollegin. Vielleicht auch eine Freelancerin. Egal wie die Rolle konkret heißt – gesucht war jemand, der mit anpackt. Der ins Team passt. Oder besser gesagt: in den Kopf passt.
Und dann kam dieser Satz:
„Eigentlich suche ich mich selbst. Ich wünschte, ich könnte mich klonen.“
Bumm. Da war er. Der Gedanke, den viele haben – und kaum jemand laut sagt.
Ich musste schmunzeln. Und gleichzeitig: Alarmglocken. Denn ehrlich gesagt – dieser Satz ist ganz schön verräterisch.
Ich hab mir dann selbst die Frage gestellt:
Würde ich eigentlich mit mir selbst zusammenarbeiten?
Kurze Denkpause.
Und dann: Nein. Eher nicht.
Nicht dauerhaft jedenfalls. Nicht im Startup. Und nicht, wenn ich ernsthaft wachsen will.
Warum?
Weil da nur das rauskommen würde, was ich eh schon denke.
Weil es wahnsinnig teuer wäre, mich selbst einzustellen.
Und – ganz ehrlich – weil ich meine eigenen Macken schon oft genug anstrengend finde. Ich brauch die nicht doppelt.
Die Wahrheit ist: Ich suche nicht „mich“.
Ich suche jemanden, der anders ist als ich – und trotzdem in dieselbe Richtung läuft. Und das ist eine komplett andere Art von Suche.
In meinem Umfeld waren in den letzten Monaten viele auf der Jagd: nach Werkstudent:innen, Freelancer:innen, Co-Foundern, Mitarbeitenden.
Was sie alle gemeinsam hatten? Sie haben irre viel Zeit verloren.
Viele Bewerbungen, kaum Substanz. Glänzende Profile, aber wenig echtes Feuer.
Ein paar Mal fast aufgegeben.
Und ganz ehrlich: Ich versteh sie. Denn es ist schwer, diese eine Frage zu beantworten: Passt Du zu mir?
Bei Janina und mir stellte sich die Frage gar nicht so sehr nach „Gleichklang“.
Wir sind nicht gleich. Wirklich nicht.
Ich: Studium in Informatik.
Sie: Studium in Musik.
Ich: mein Leben lang angestellt.
Sie: ihr Leben lang selbstständig.
Ich: Prozess, Struktur, Skalierung. Arbeitsteilige Welt.
Sie: Bühne, Kreativität, Improvisation. Selbst ist die Frau.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – funktioniert’s.
Wir mussten die Frage anders stellen:
Nicht „Bist Du wie ich?“
Sondern:
Willst Du dasselbe wie ich? Können wir etwas gemeinsam entwickeln, das wir beide wollen?
Willst Du streiten, ohne zu verletzen?
Willst Du bauen – nicht allein, sondern gemeinsam?
Können wir Ressourcen teilen, ohne Besitzansprüche zu stellen?
Können wir einander lassen – und uns trotzdem einmischen, wenn es wichtig ist?
Im Startup ist es leicht, jemanden zu mögen, der so tickt wie Du.
Aber das bringt Dich nicht weiter. Denn dann fehlt etwas: die Spannung, das Unvorhersehbare, das Korrektiv.
Wenn Du eine Co-Founderin suchst – such keine Kopie von Dir.
Such ein Gegenüber.
Jemand, der etwas sieht, was Du übersiehst.
Der auf eine Idee „Nein“ sagt – und dann eine bessere bringt.
Der Deine Schwächen nicht überdeckt, sondern ausgleicht.
Der Deinen blinden Fleck kennt – und ihn liebevoll ignoriert oder mutig anspricht, je nachdem, was gerade nötig ist.
Das ist unbequem.
Aber ehrlich: Die bequemsten Gründerteams sind oft auch die langweiligsten.
Da wird nichts riskiert. Da wird verwaltet statt gebaut.
Da entsteht keine neue Welt – nur eine Wiederholung der alten.
Wenn zwei immer einer Meinung sind, ist einer überflüssig.
Und im Startup kannst Du Dir Überflüssigkeit nicht leisten. Nicht bei Dir. Nicht bei anderen.
Also: Such nicht Dich. Such eine Ergänzung.
Und frag Dich:
Was brauchst Du wirklich – fachlich, menschlich, in der Zusammenarbeit?
Wen brauchst Du, um größer zu denken?
Mit wem kannst Du ein echtes „Wir“ bauen?
Nicht glatt. Nicht perfekt.
Aber tragfähig.
Wenn Du diese Person findest, dann ist das keine Frage von Bewerbung oder Lebenslauf.
Dann spürst Du’s.
Dann denkst Du nicht: „Wow, sie ist wie ich.“
Sondern:
„Krass, zusammen sind wir mehr als die Summe unserer Teile.“
Und das ist das Beste, was Dir passieren kann.
